|
Der Schuster blieb nicht bei seinen Leisten
Mitte des vergangenen Jahrhunderts brachte die beginnende
Industrialisierung unvorstellbares Leid über die Menschen. Ein knallharter
Kapitalismus verdrängte mit seinen Maschinen das Handwerk. Weil das Zunftwesen
zerfiel, standen Tausende von Gesellen auf der Straße. Die bisher in den
Familien ihrer Meister gelebt hatten, wurden nun zur Landplage. Es war
einer der ihren, der diese Not mit einem
klaren Konzept bekämpfte: Adolph Kolping.
Zwischen der Geburt 1813 in Kerpen und dem Tod 1865 in Köln
liegen für den Sohn eines Lohnschäfers 52 Jahre eines ungewöhnlichen Lebens. Es
beginnt mit Dorfschule, üblicher Lehre und sieben Jahren als Geselle im
Schuhmacherhandwerk. Doch Kolping liest viel, er will mehr. Mit 24 Jahren
beginnt er als Pennäler am Kölner Marcellengymnasium, macht 1841 Abitur,
studiert Theologie und wird 1845 in der Kölner Minoritenkirche zum Priester
geweiht. Als Kaplan in Elbefeld lernt er den ersten Gesellenverein kennen, wird
dessen Präses und wechselt 1849 als Domvikar nach Köln. Hier sammelt er weitere Gesellen um sich.
Aus der Kölner Gründung erwächst eine Bewegung, die sich
schnell ausbreitet. Der Sozialreformer Kolping gibt ihr das geistige Konzept,
der Seelsorger Kolping die religiöse Mitte, der Publizist Kolping die
öffentliche Wirkung.
Kolping - ein Programm
Der rheinische “Gesellenvater” erscheint in einem neuem
Licht, wenn man sein Werk aus dem Blickwinkel der ersten Sozialenzyklika “Rerum
novarum” betrachtet. Nicht ohne Absicht verband Papst Johannes Paul II. die
Seligsprechung Adolph Kolpings am 27. Oktober 1991 mit dem hundertjährigen
Jubiläum der Enzyklika. Männer wie Kolping haben dieses berühmte Rundschreiben
erst möglich gemacht. Sie erkannten früh das soziale Desaster der beginnenden
Industrialisierung und begnügten sich nicht mit caritativen Gesten.
Kolping holte die heimatlosen Gesellen von der Straße. Er
gab ihnen in den Gesellenheimen ein Zuhause mit familiärer Atmosphäre. Er
richtete für sie Kranken- und Sparkassen
ein, machte ihnen Bildungsangebote und übermittelte ihnen ein nachahmenswertes
Menschenbild: Der überzeugte Christ lebt seinen Glauben und steht seinen Mann
im Beruf, er sorgt sich um seine Familie ebenso wie um das Staatswesen.
Kolping - ein Auftrag
Wäre das Werk nur ein “Gesellenverein” gewesen, hätte es die
Jahrhundertwende kaum überlebt. Doch über allem stand das Lebensmotto des
Gründers: “Es gibt keinen Punkt, keine
Seite, kein einziges Verhältnis des Lebens, welches nicht nach den Grundsätzen
des Christentum gerichtet und behandelt werden soll”.
Die schöpferische Kraft eines Adolph Kolping zur sozialen
Erneuerung aus dem Glauben war so stark, dass sich heute das Programm seines
Kolpingwerkes liest wie eine zeitgenössische “Nachfolge Christi”. Die Präambel
fasst das Ziel der Gemeinschaft zusammen:
“Das Kolpingwerk ist die von Adolph Kolping
geschaffene und geprägte familienhafte und lebensbegleitende katholische
Bildungs- und Aktionsgemeinschaft zur Entfaltung des einzelnen in der ständig
zur erneuernden Gesellschaft”.
|